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Salone del Mobile: die Woche, die vor der Haustür liegt

Salone del Mobile: die Woche, die vor der Haustür liegt

Für Schweizer Einkäufer, Planerinnen und Architekten liegt die wichtigste Designwoche der Welt praktisch vor der Haustür: Mailand ist mit dem Zug näher als mancher inländische Termin. Umso erstaunlicher, wie viele die Woche als Besichtigung statt als Arbeitsinstrument nutzen. Hier ist die Methode — Salone del Mobile und Fuorisalone, gelesen von Menschen, die mit dem Auftragsbuch anreisen.

Zwei Messen in einer: Rho und die Stadt

Die Mailänder Woche besteht aus zwei Ereignissen. Der Salone findet in den Hallen von Rho statt: Neuheiten, Listen, Entscheider. Der Fuorisalone lebt in der Stadt: Showrooms, Installationen, geöffnete Palazzi — grösstenteils frei zugänglich. Sie leisten Verschiedenes: In Rho studiert man Produkte, in der Stadt baut man Beziehungen. Der kluge Plan gibt den Hallen einen vollen Tag und den Distrikten den Rest — nie umgekehrt. Und für Schweizer Verhältnisse besonders relevant: Die Anreise ist so kurz, dass sich auch der gezielte Zweitagesbesuch lohnt, ohne Hotel-Odyssee.

In Rho: die Methode des Einkäufers

Mit Liste gehen, nicht mit Inspiration — die Hallen sind riesig. Mechanik vor Form: Schublade öffnen, Verstellung bedienen, die Rückseite ansehen; das sagt mehr als jede Broschüre. Materialien anfassen und das Etikett immer zusammen mit dem Produkt fotografieren — im September ist das Foto ohne Code ein Ärgernis. Termine an den wichtigen Ständen zwei Wochen vorher fixieren: Der vereinbarte Termin schlägt die abgegebene Visitenkarte jedes Mal. Und die Besonderheit der geraden Jahre: Der Salone bringt die Küchen- und Bad-Biennalen mit — wer komplette Projekte plant, verdreifacht sein Revier.

Der Fuorisalone: warum es ihn gibt

Den Fuorisalone hat niemand geplant — er wuchs vor Jahrzehnten um Mailänder Showrooms herum, die während der Messewoche öffneten, und wurde zur diffusen Messe von der Grösse der Stadt: Hunderte Eröffnungen und Installationen, überwiegend gratis, in fussläufigen Distrikten. Sein professioneller Wert: Auf der Messe hat die richtige Person fünf Minuten und eine Warteschlange; im Showroom am Abend dreissig Minuten und ein Glas in der Hand. Die Gespräche, die zählen, entstehen öfter in der Stadt als in den Hallen.

Die Distrikte, mit Schweizer Effizienz geplant

Brera zuerst: permanente Showrooms der grossen Marken, elegante Strassen, höchste Dichte — ein halber Tag Minimum. Tortona im Südwesten: die experimentelle Seele in ehemaligen Industrieräumen, die meistfotografierten Projekte der Woche. Die 5vie im Zentrum für hohes Handwerk, Isola und Porta Venezia für die junge Szene. Für Möbel im engeren Sinn: die historischen Showroom-Strassen um San Babila, tagsüber angenehm ruhig. Ein Distrikt pro halbem Tag, ernsthafte Schuhe — die Woche wird in Kilometern gemessen.

Abende und der Nachzügler-Trick

Das Abendprogramm ist so viel wert wie das Tagesprogramm: Eröffnungen und Aperitivi sind die Stunden, in denen Inhaber und Vertriebsleiter ansprechbar sind. Vormittage den Produkten, Abende den Menschen, Einladungen zwei Wochen vorher organisieren. Und der Trick, der zur Schweizer Geografie passt wie kein zweiter: In der Woche nach der Messe sind dieselben Showrooms leer, und dieselben Leute haben Zeit. Von Zürich oder Genf aus ist der Nachzüglerbesuch ein Tagesausflug — kaum ein anderes Land kann die Messe so bequem zweimal ernten.

Nicht nur Möbel: Bäder, Armaturen, Oberflächen

Der Perimeterfehler vieler Besucher: beim Möbel aufhören. Die Woche ist auch der Moment der Armaturen-, Keramik- und Oberflächen-Showrooms — und ein Direktionsbüro wird auch an seinem Bad gemessen, in der Schweiz vielleicht strenger als anderswo. In geraden Jahren, mit der Bad-Biennale auf der Messe, verdoppelt sich das Thema. Mindestens zwei Oberflächen-Showrooms in die Route: Dort liegen die Ideen, die der Wettbewerb nicht hat.

Ein logistischer Hinweis zum Schluss: Der Zug schlägt in dieser Woche das Auto deutlich — die Stadt ist voll, die Parkplätze sind Legende, und die Bahnhöfe liegen näher an den Distrikten als jedes Parkhaus. Wer aus der Deutschschweiz oder der Romandie anreist, arbeitet am besten mit festem Rückzugspunkt beim Hotel und plant die Distrikte als Halbtagesschleifen zu Fuss.

Schnelle Antworten

Wie viel Zeit braucht die Woche von der Schweiz aus? Zwei gezielte Tage genügen dank kurzer Anreise: ein voller Tag in Rho mit Terminen, einer in zwei Distrikten. Wer die Abende mitnimmt, baut die Beziehungen — und der Nachzüglerbesuch in der Folgewoche ist ein Tagesausflug.

Ist der Fuorisalone gratis? Überwiegend ja: Showrooms und viele Installationen sind frei zugänglich. Manche Abendanlässe laufen auf Einladung — deshalb zwei Wochen vorher schreiben.

Wie behält man das Gesehene? Etikett immer mit Produkt fotografieren: Name, Oberfläche, Code. Wichtige Muster ins Büro schicken lassen und im eigenen Licht beurteilen — die Messeerinnerung verblasst, das Muster bleibt.

Lohnt der Besuch ohne aktuelles Projekt? Ja — als Kartografie: wer was macht, wie gearbeitet wird, wen man anruft, wenn das Projekt kommt. Die Messe zahlt sich in den folgenden zwölf Monaten aus.

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